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Ens. Zeit_Sequenzen
Do, 30. Dez’10

Ensemble-Zeit_Sequenzen

Manfred Mitterbauer / Bassbariton
Manfred Paul Weinberger / Trompete, Komposition
Markus Lindner / Marimba
Thomas Mauerhofer / E-Gitarre
Christian Wendt / E-Bass



Ensemble Zeit_Sequenzen

‘Nebensonnen’ – im langen Schatten Franz Schuberts,
im Lichte der ‘Winterreise’

Franz Schubert erzählt im 24-teiligen Liederzyklus ‘Die Winterreise’ die existentielle Geschichte eines Liebenden nach den Worten von Wilhelm Müller, und schuf damit einen Fixstern im Musikuniversum. Die Winterreise – ein in sich abgeschlossenes Werk – fordert auf ihre besondere Art jeden Musiker heraus. Und mitunter auch dazu, sie vollkommen neu zu interpretieren: Es gilt, der Sonne auch entgegen zu treten. Genre-übergreifend wurde das Werk in Fragmenten bereits aufgebrochen; kaum jemand wagt jedoch den Bogen über den gesamten Zyklus neu zu spannen.

‘Nebensonnen’ – drei Sonnen standen einst am Himmel für den Wanderer auf
seiner Winterreise. Doch anstatt sich an ihren Strahlen zu wärmen, sehnt er sich
nach deren Untergang … fremd und verlassen zieht er durch die Welt …

Der Zugang zur kompositorischen Arbeit setzt – wie man bei Weinberger und seinem Ensemble gerne vermuten mochte – auch tatsächlich nicht prinzipiell bei Franz Schuberts Notensatz an, sondern bei den oftmals sehr unterschätzten Texten von Wilhelm Müller, denen ausdrucksstarke ‘Bilder’ zugrunde liegen. Diese ‘Bilder’ werden als Aufforderung verstanden, sie – parallel zu Schuberts Originalwerk – in einem vollkommen anderen musikalischen Kontext zu denken. Abgesehen von grundlegenden gestalterischen Fragestellungen wurde auf diese Art und Weise der Kompositionsprozess entwickelt: Ein Unterfangen von mehreren Monaten der intensiven Zusammenarbeit und des nie enden wollenden Probierens.

Manfred Paul Weinberger: “Wichtige Kriterien mit denen ich an dieses Projekt herangegangen bin: Einerseits die Gesangsmelodie und die Texte insoweit zu belassen, als dass man eindeutig den Bezug zum Original erkennen kann. Anderseits die Instrumentierung so zu wählen, dass damit zeitgemäße Klang-
strukturen realisiert werden können. Die Arbeit mit dem Kontrast zwischen dem Inhalt dieses Werkes und den für diese Musik doch eher fremden Klangfarben, die erst durch dies ungewöhnliche Besetzung möglich werden. Eine große Faszination dieses Projektes liegt für mich auch im Abtasten und Erkunden der Möglichkeiten, die das Musizieren zwischen fünf Musikern, die von sehr unterschiedlichen Musizierformen, Praktiken und Genres kommen, mit sich bringt: Ein Aufeinander-
treffen von Musikern, deren Klangwelten sich durch unterschiedlichste Ausprägungen auf spannende Weise ergänzen.”